Gießen. Der neuapostolische Kirchenbezirk Gießen trauert um seinen langjährigen Bezirksältesten Heinrich Roth, der am 14. Februar 2026 im Alter von 78 Jahren nach längerer Krankheit, jedoch für viele völlig unerwartet, verstorben ist. Mit ihm verliert die Kirche eine prägende Persönlichkeit, die über Jahrzehnte hinweg das geistliche und gemeinschaftliche Leben im Bezirk maßgeblich mitgestaltet hat.
Frühes Engagement und geistlicher Werdegang
Bereits in jungen Jahren engagierte sich Heinrich Roth in der Neuapostolischen Kirche. Als Jugendlicher bereicherte er die Chöre seines Heimatbezirkes und zeigte früh seine tiefe Verbundenheit zur Kirche.
Am 26. Oktober 1966 wurde er im Alter von 19 Jahren in Rüsselsheim zum Unterdiakon ordiniert. Es folgten weitere Ordinationen:
• Diakon am 17. September 1967 in Wetzlar
• Priester am 24. Januar 1971 in Wetzlar
• Gemeindeevangelist am 1. September 1974 in Wetzlar
• Hirte am 16. November 1980 in Gießen
Mit jeder dieser Aufgaben übernahm Heinrich Roth wachsende Verantwortung in der Seelsorge und Gemeindearbeit. Insgesamt war er 46 Jahre ehrenamtlich als Amtsträger tätig.
Verantwortung als Gemeindevorsteher
Am 21. Januar 1976 wurde der damals 28-Jährige als Gemeindevorsteher der Kirchengemeinde Wetzlar II beauftragt. Neben seelsorgerischen Aufgaben trug er auch die administrative Verantwortung. Diese Aufgabe übte er bis zum 31. Juli 1983 aus.
Parallel dazu übernahm er am 7. Juni 1981 zusätzlich die Leitung der Kirchengemeinde Gießen-Süd, die er bis zum 29. Juni 1986 führte. In beiden Gemeinden setzte er wichtige Impulse für ein lebendiges Gemeindeleben.
Bezirksvorsteher mit Herz für Kinder und Jugend
Am 22. Januar 1984 wurde Heinrich Roth zum Bezirksevangelisten ordiniert. Zehn Jahre später, am 18. Dezember 1994, erfolgte die Ordination zum Bezirksältesten. Damit übernahm er die Leitung des Kirchenbezirks Gießen und trug fortan die geistliche und organisatorische Gesamtverantwortung.
Ein besonderes Anliegen war ihm stets, dass sich jeder – ob in den einzelnen Gemeinden oder im gesamten Bezirk – angenommen und zu Hause fühlen konnte. Einen Schwerpunkt legte er auf die Förderung von Kindern und Jugendlichen.
Engagement für Kinder
Unter seiner Leitung wurden jährliche Bezirkskindertage eingeführt, bei denen Gemeinschaft, Spiel und Freude im Mittelpunkt standen. Gemeinsam mit den Kindermusikbeauftragten entstanden mehrere Kindermusicals, die unter anderem in der Kongresshalle Gießen erfolgreich aufgeführt wurden.
Impulse in der Jugendseelsorge
Auch in der Jugendseelsorge setzte er neue Akzente. Bereits 1998 initiierte er ein Seminar für Jugendbetreuer zum Thema „Moderationstechniken“. Zahlreiche weitere Schulungen ermöglichten Jugendlichen und Betreuern eine intensive Auseinandersetzung mit Glauben und Kirche.
Ein besonderes Highlight war 1999 die Reise der Gießener Jugend nach Zypern. Gemeinsam mit ihrem Bezirksältesten überraschten sie Apostel Willi Sommer und begleiteten ihn auf einer mehrtägigen Missionsreise. Monatliche Jugendgottesdienste, Jugendfreizeiten sowie Open-Air-Jugendgottesdienste waren weitere Höhepunkte dieser lebendigen Arbeit.
Bedeutende Ereignisse seiner Amtszeit
In seine Zeit als Bezirksvorsteher fielen mehrere herausragende Ereignisse:
Am 14. Oktober 2001 wurde die vollständig renovierte Zentralkirche in der Gießener Händelstraße durch Apostel Willi Sommer feierlich eingeweiht. Im Anschluss fanden die „Gießener NAK-Tage“ statt, bei denen sich die Kirche eine Woche lang mit vielfältigen Aktivitäten der Öffentlichkeit präsentierte.
Ein weiterer Meilenstein war das Festjahr 2006 anlässlich des 100-jährigen Bestehens der Neuapostolischen Kirche in Gießen. Beim Festakt am 4. März 2006 begrüßte Bezirksältester Roth zahlreiche Ehrengäste, darunter den damaligen hessischen Innenminister und späteren Ministerpräsidenten Volker Bouffier, Bezirksapostel Dr. Hagen Wend sowie weitere Persönlichkeiten aus Kirche, Politik und Gesellschaft.
Ruhestand und persönliches Leben
Nach 18 Jahren als Bezirksvorsteher trat Heinrich Roth am 24. Februar 2013 in den Ruhestand. Rückblickend bezeichnete er seine 46 Jahre im kirchlichen Dienst als eine „spannende Zeit“, in der sich sowohl Kirche als auch Gesellschaft stark verändert hätten. Diese Entwicklungen aktiv zu begleiten, habe ihm große Freude bereitet. Sein Leitsatz blieb: „Ich bin immer neugierig auf Neues!“
Neben seinem kirchlichen Engagement war Heinrich Roth beruflich erfolgreich. Nach Ausbildung und Studium im Maschinenbau war er als Planungsingenieur sowie in Führungspositionen tätig, zuletzt als Vorstandsmitglied eines internationalen Konzerns mit Verantwortung für Personal und Organisation.
Ab 1999 arbeitete er als selbstständiger Unternehmensberater und leitete ein Team von Trainern und Coaches in den Bereichen Change-Management, Unternehmens- und Führungskräfteentwicklung. Zudem war er als Dozent für Betriebswirtschaftslehre und Unternehmensplanung an der Technischen Hochschule Mittelhessen im Rahmen von „StudiumPlus“ tätig.
In den letzten Jahren war sein Leben durch mehrere schwere Erkrankungen geprägt. 2019 konnte er letztmalig seine Lieblingsinsel Sylt besuchen. Im Herbst 2022 zog er mit seiner Ehefrau in eine behindertengerechte Wohnung nach Bad Nauheim.
Dank und Abschied
Mit Heinrich Roth verliert der Kirchenbezirk Gießen einen engagierten Seelsorger, einen visionären Gestalter der Kinder- und Jugendarbeit sowie einen Menschen, der seine Aufgaben stets mit großem persönlichen Einsatz erfüllte.
Neben seiner Ehefrau Roswitha und seinen beiden Töchtern trauern die Gläubigen des Kirchenbezirks Gießen um einen geschätzten Wegbegleiter. Die Trauerfeier mit Urnenbeisetzung findet im engsten Familienkreis statt.
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