Wetzlar. Unter dem Leitgedanken „Freude“ stand der Gottesdienst, den Apostel Gerd Kisselbach am Sonntag, 25. Oktober 2026, gemeinsam mit den Seniorinnen und Senioren des Kirchenbezirks Gießen in der neuapostolischen Zentralkirche an der Wetzlarer Neustadt feierte. Im Mittelpunkt stand die Frage, woher echte Freude kommt und wie der Glaube auch in schwierigen Lebenssituationen Kraft, Zuversicht und Hoffnung schenken kann.
Für die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes sorgte der Seniorenchor des Kirchenbezirks unter der Leitung von Dirigent Udo Riedel. Mit seinen musikalischen Beiträgen schuf der Chor einen würdigen und zugleich festlichen Rahmen für die gemeinsame Feststunde.
Als Grundlage seiner Predigt wählte Apostel Kisselbach das Bibelwort aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper, Kapitel 4, Vers 4: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich: Freuet euch!“
Mit einer einfachen, aber einprägsamen Frage eröffnete der Apostel seine Predigt: „Wer von euch hat sich schon einmal gefreut?“ Nahezu alle Gottesdienstteilnehmenden beantworteten diese Frage mit einem Handzeichen. Schmunzelnd bezeichnete Kisselbach die Anwesenden daraufhin als „Sachverständige“ auf dem Gebiet der Freude.
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen beleuchtete er die unterschiedlichen Möglichkeiten, Freude im Alltag zu erfahren. Es gebe viele schöne Erlebnisse und Begegnungen, die Menschen glücklich machten und Freude auslösten. Gleichzeitig gehöre es aber ebenso zum Leben, dass es Situationen, Erfahrungen und Entwicklungen gebe, die alles andere als erfreulich seien.
Entscheidend sei deshalb der besondere Hinweis im Bibelwort: die Freude „in dem Herrn“. Diese Freude gehe über die rein menschliche Freude an schönen Erlebnissen hinaus. Apostel Kisselbach stellte sie in den Zusammenhang mit der Liebe Gottes, die sich insbesondere in der Menschwerdung seines Sohnes zeige. Auch das Evangelium, die Erwählung des Menschen durch Gott sowie seine Begleitung auf dem gesamten Lebensweg seien Ausdruck dieser göttlichen Liebe.
Von dort aus spannte der Apostel den Bogen bis zur Erwartung der Wiederkunft Jesu Christi. Anhand verschiedener Beispiele machte er deutlich, wie viel Gott bereits an den Menschen getan habe. Dabei seien es nicht ausschließlich die großen und außergewöhnlichen Ereignisse, die Anlass zur Freude geben könnten. Vielmehr gelte es auch, die oftmals kleinen und unscheinbaren Zeichen seiner Liebe, Gnade und Fürsorge im eigenen Leben wahrzunehmen. Wer dafür aufmerksam werde, könne immer wieder Gründe finden, dankbar und zuversichtlich zu sein.
In einer Predigtzugabe griff Bezirksevangelist Ralf Partmann die Gedanken des Apostels auf und vertiefte sie. Dabei stellte er heraus, dass Freude kein Gefühl sei, das sich auf Anordnung einstellen lasse. Vielmehr erwachse sie aus der Erkenntnis und dem Vertrauen auf die Nähe Gottes – und zwar unabhängig davon, welche Umstände das eigene Leben gerade bestimmten. Eine solche Freude könne dem Menschen Kraft und Hoffnung schenken, auch wenn er schwierige Lebenssituationen durchleben müsse.
Ein Lied erzählt von tiefem Leid und unerschütterlichem Vertrauen
Einen besonderen und bewegenden Akzent setzte Apostel Kisselbach bei der Vorbereitung auf das Heilige Abendmahl. Dabei nahm er Bezug auf das Lied „Wenn Friede mit Gott meine Seele durchdringt“ und erläuterte dessen außergewöhnliche Entstehungsgeschichte.
Verfasser des Liedtextes war der Chicagoer Rechtsanwalt Horatio G. Spafford. Er hatte bei einem tragischen Schiffsunglück seine vier Kinder verloren. Seine Frau, die gemeinsam mit den Kindern gereist war, überlebte die Katastrophe. Ihre Nachricht an ihn lautete: „Gerettet, aber allein.“ Dieses schwere Schicksal und der damit verbundene persönliche Schmerz veranlassten Spafford, sich zurückzuziehen und den Text des bekannten Liedes zu verfassen.
Die Geschichte verdeutlichte eindrucksvoll, dass tiefer innerer Frieden und Freude nicht zwangsläufig von den äußeren Umständen des Lebens abhängig sind. Auch in Zeiten größter Trauer und persönlicher Not kann der Glaube an Gott Halt geben.
Diesen Gedanken stellte Apostel Kisselbach in Verbindung mit der Sündenvergebung und dem Heiligen Abendmahl. Der Friede Gottes, der den Gläubigen durch die Vergebung und die besondere Gemeinschaft mit Christus im Heiligen Abendmahl geschenkt werde, könne für jeden Menschen – unabhängig von seiner jeweiligen Lebenssituation – ein besonderer Anlass zur Freude sein.
Mit Gebet und trinitarischem Segen beendete Apostel Kisselbach den Gottesdienst. Die gemeinsame Gottesdienstfeier hinterließ die Botschaft, dass christliche Freude weit mehr bedeutet als ein vorübergehendes Glücksgefühl. Sie gründet in der Liebe Gottes, im Vertrauen auf seine Nähe und in der Hoffnung, die den Menschen durch alle Lebenslagen hindurch begleiten kann.
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