Gießen-Wieseck. Einen besonderen Festgottesdienst erlebten die Gläubigen der neuapostolischen Kirchengemeinde Gießen-Wieseck am vergangenen Sonntag. In der Kirche an der Wilhelm-Liebknecht-Straße spendete Bezirksevangelist Dirk Ehrenfried den Eheleuten Anita und Priester i. R. Peter Strauß den Segen anlässlich ihrer Diamantenen Hochzeit.
„Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen“
Im Mittelpunkt des Gottesdienstes stand das Bibelwort aus Jesaja 42,3: „Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. In Treue trägt er das Recht hinaus.“
Bezirksevangelist Ehrenfried erläuterte zunächst den geschichtlichen Hintergrund des Jesaja-Wortes. Das Volk Israel befand sich in der babylonischen Gefangenschaft und damit in einer Zeit großer Not. In diese Situation hinein habe Gott seinem Volk mit den Bildern vom geknickten Rohr und vom glimmenden Docht eine besondere Botschaft vermittelt.
Ein Schilfrohr war in der damaligen Zeit ein wertvoller Gebrauchsgegenstand. War es jedoch geknickt oder gebrochen, galt es als unbrauchbar und wurde weggeworfen. Ähnlich sei es mit dem Docht einer Öllampe gewesen: Solange er brannte, spendete er Licht. Wenn er nur noch glimmte, wurde er gelöscht, um ihn nicht unnötig zu verbrennen.
Gerade diese Bilder, so der Bezirksevangelist, machten deutlich, wie Gott auf Menschen blicke, die sich selbst als wertlos oder am Ende ihrer Kräfte empfänden. Er wende sich nicht von ihnen ab. Diese Zusage habe auch für die heutige Zeit Bedeutung. Nicht jeder Mensch befinde sich auf der Sonnenseite des Lebens. Trauer, persönliche Belastungen oder das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden, könnten das eigene „Licht“ nur noch schwach glimmen lassen. Gerade dann gelte die Zusage: Das geknickte Rohr werde nicht zerbrochen und der glimmende Docht nicht ausgelöscht.
In diesem Zusammenhang verwies der Bezirksevangelist auf die Worte Jesu aus dem Matthäusevangelium: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Jesus lade die Menschen nicht erst dann zu sich ein, wenn sie wieder stark und vollkommen seien. Gerade der Müde, Belastete und Verwundete dürfe zu ihm kommen.
Priester Benjamin Pirlich, Mitglied der Bezirksleitung des Gießener Kirchenbezirks, griff diese Gedanken in seinem Predigtbeitrag auf.
Segen zur Diamantenen Hochzeit
Nach der gemeinsamen Abendmahlsfeier traten Anita und Priester i. R. Peter Strauß vor den Altar. In seiner Ansprache blickte Bezirksevangelist Ehrenfried auf die 60 gemeinsamen Ehejahre zurück. Das Ehepaar habe in seinem Leben viele Höhen und Tiefen erlebt und gemeinsam zahlreiche Erfahrungen gesammelt. Dabei habe sie ihr Gottvertrauen stets begleitet und ihnen geholfen, die Herausforderungen des Lebens zu meistern.
Besonders würdigte Ehrenfried das langjährige ehrenamtliche Engagement von Peter Strauß. Über viele Jahre war er als Amtsträger in der neuapostolischen Kirche tätig und diente zuletzt im Priesteramt. Als Seelsorger kümmerte er sich um die Mitglieder der Gemeinde und stand ihnen in unterschiedlichen Lebenssituationen zur Seite.
Auch nach seiner Ruhesetzung blieb Peter Strauß aktiv. Einige Jahre war er als Seniorenbeauftragter der Wiesecker Kirchengemeinde tätig. Darüber hinaus besuchte er Gemeindemitglieder, die aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr am Gottesdienst teilnehmen konnten, und feierte mit ihnen das Heilige Abendmahl. Bezirksevangelist Ehrenfried würdigte dabei ausdrücklich auch die Unterstützung durch Anita Strauß, die ihren Ehemann bei seinem Engagement tatkräftig begleitet habe.
Vor der Segensspendung gab Ehrenfried dem Ehepaar ein weiteres Bibelwort mit auf den gemeinsamen Lebens- und Glaubensweg: „Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!“ (2. Korinther 13,13).
Musikalischer Rahmen
Musikalisch gestaltet wurde der Festgottesdienst vom Gemeindeorchester unter der Leitung von Uschi Rock sowie vom Wiesecker Gemeindechor und dem örtlichen Männerchor, die unter der Leitung von Holger Kind standen. Die drei Ensembles trugen mit ihren musikalischen Beiträgen zur festlichen Gestaltung des Gottesdienstes bei.
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