Wetzlar. Am Samstag, 21. Februar 2026, versammelten sich zahlreiche Gläubige in der neuapostolischen Kirche in Wetzlar, um sich auf den bevorstehenden Gottesdienst für Entschlafene am 1. März 2026 vorzubereiten. Eingeladen hatte der Kirchenbezirk Gießen.
Nach einem einleitenden Orgelspiel führte der Gießener Bezirksvorsteher Hirte Matthias Rauch in das Thema des Abends ein. Anlass war der 110. Jahrestag des Beginns der Schlacht um Verdun, die am 21. Februar 1916 begann. Verdun gilt bis heute als Symbol für die Sinnlosigkeit und Grausamkeit des Stellungskrieges im Ersten Weltkrieg. Anhand dieses historischen Ereignisses wurde verdeutlicht, wie viele Menschen insbesondere in Kriegszeiten ihr Leben verlieren.
Hirte Rauch wies darauf hin, dass nach wissenschaftlichen Berechnungen rund 6.000 Jahre der Menschheitsgeschichte von Kriegen geprägt seien. Dabei sei Verdun nur eines von vielen Beispielen. Neben kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Staaten gebe es auch „persönliche Kriege“ zwischen Menschen – selbst innerhalb von Familien. Auch dort stürben Menschen, ohne dass es zuvor zur Versöhnung gekommen sei.
Priester im Ruhestand Udo Riedel schilderte, unterstützt durch eine Präsentation, eindrücklich die Ereignisse der Schlacht. Am Morgen des 21. Februar 1916 eröffneten 1.220 deutsche Geschütze das Feuer auf französische Stellungen und verschossen bis zum Nachmittag etwa 1 Millionen Granaten. Insgesamt kämpften rund zwei Millionen Soldaten in der Region – eine Zahl in der Größenordnung der heutigen Einwohnerzahl Hamburgs. Schätzungen zufolge verloren etwa 700.000 Soldaten ihr Leben, was in etwa der Einwohnerzahl von Frankfurt am Main entspricht. Rein rechnerisch starben während der rund 300 Tage andauernden Kämpfe täglich etwa 2.500 Soldaten.
Heute erinnert der Soldatenfriedhof von Douaumont mit seinen 16.142 Gräbern französischer Soldaten mahnend an die Schrecken des Krieges. Zugleich wurde dieser Ort zu einem Symbol der Versöhnung: Am 22. September 1984 gedachten dort der französische Staatspräsident François Mitterrand und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl gemeinsam der Toten des Ersten Weltkriegs.
Nach einem musikalischen Beitrag trug Elke Rodenbach-Frank ein Gedicht vor. In einem abschließenden Impuls betonte Bezirksevangelist Dirk Ehrenfried die zentrale Botschaft des Abends: Die Verstorbenen – insbesondere auch die Opfer von Kriegen – sollen nicht vergessen werden. Durch Gebet könne auch heute noch Hilfe geschehen. Er verwies auf die Inschrift vieler Grabsteine in Douaumont: „Unbekannter Soldat, aber bei Gott bekannt!“ Dies sei Trost und Hoffnung zugleich – jeder Mensch sei Gott bekannt.
Ein kleines Diorama vor dem Altar veranschaulichte abschließend symbolisch, wie durch Fürbitte eine Brücke für Seelen gebaut werden könne, die sich in einem negativen Zustand befänden, damit sie den Weg zu Jesus Christus und vom Dunkel ins Licht finden.
Mit einem gemeinsamen Gebet und dem Lied „Wenn Friede mit Gott“ endete die Andacht.
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